Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich dann verschiedene Wege des Qi Gong.
So war das Qi Gong der Gelehrten und Philosophen ein Weg, durch Meditationen störende Emotionen und geistige Unruhen aufzulösen.
Das Medizinische Qi Gong (Yijia) unterstützte mit seinen Körperübungen therapeutische Wirkung. Beide Methoden unterstützen den freien und ungehinderten Fluß des Qi* in den Meridianen, den sog. Energieleitbahnen des Körpers.
Das religiöse Qi Gong bezweckte die starke Vermehrung der Lebensenergie und das
Qi Gong in den Kampfkünsten (Wujia) diente sowohl der körperlichen Gesunderhaltung als auch dem energetischen Schutz des Praktizierenden.
Der chinesische Begriff "Qi"* wird hierzulande gerne mit "Energie" übersetzt, ist tatsächlich aber ein wesentlich komplexerer Begriff, der sich aus Philosophie und Wissenschaft, sowie den Lehren der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) entwickelt hat. Wenn man neben dem Fluß der körpereigenen Energie auch den Fluß des Lebens miteinbezieht, erhält man eine ungefähre Idee, welche Bedeutung der Begriff Chi in der asiatischen Weltanschauung inne hat- neben Energie denkt man an das altdeutsche Wort "Odem", Atem, Lebenkraft....
Gong ist das chinesische Wort für eine Fertigkeit oder Geschicklichkeit, die man sich durch ausdauerndes, gewissenhaftes Üben erwirbt.
Wer also denkt, im Schnellverfahren einige Bewegungsabläufe aus dem Qi Gong einstudieren zu können und damit bereits ein Meister dieses Faches zu sein, der irrt:
Die natürlichen, ruhigen Bewegungen des Qi Gong, das Ineinander-Übergehen von Ruhe und Bewegung -in korrekter Körperaltung- und die innere Absicht (Yi) und Konzentration bewirken nur gemeinsam allmählich das Fließen bzw. Zirkulieren des Qi im Körper.
So entspannt allmählich der Körper und der Geist wird frei und klar.

Daraus ergibt sich auch, daß die äußeren Bewegungen nur ein kleiner Teil des Qi Gong sind, während vor allem die unsichtbaren inneren Prozesse eine starke Wirkung auf Körper und Seele haben.
Und es dauert eine Weile, bis unser Körper von Verstopfungen und Blockaden befreit und vollkommen durchlässig ist, so daß nach anfänglichen Wärmeerscheinungen und anderen Symptomen, die auf die Wirksamkeit der Übungen hinweisen, selbst nach jahrelanger Übung noch eine Entwicklung stattfindet.
Übertriebenes Üben wirkt sich dabei eher kontraproduktiv aus, da dann ein freier Energiefluß nicht mehr gewährleistet ist.
Konsequentes, regelmäßiges und maßvolles Üben hingegen ist ein Muß, wobei selbst Menschen in hohem Alter noch Qi Gong praktizieren und von der heilsamen Wirkung profitieren können.
Zu beachten ist auch, daß es sowaohl das bewegtere Äußere Qi Gong (waigong) gibt, bei dem die körperlichen Bewegungen eine größere Rolle spielen, als auch das stille Innere Qi Gong (neigong), welches teilweise ohne Bewegungen auskommt und sich ganz auf die inneren Prozesse, die durch Yi, die Absicht/Konzentration mental gelenkt werden, focussiert.
Das durch Qi Gong erreichte freie Fließen der Lebensenergie hilft, den Körper gesund zu erhalten, das Immunsystem zu stärken und zu innerer Ruhe und seelischer Ausgeglichenheit zu finden.
Denn nach Auffassung der Chinesischen Mediziner (und zunehmend auch westlicher Ärzte, die sich ganzheitlichem Heilen zugewendet haben) entstehen körperliche und seelische Krankheiten durch eine Behinderung oder Verhinderung des harmonischen, balancierten Qi-Flusses im Körper.
Mentale und körperliche Stärke- ein klarer Kopf, verbesserte Konzentration, innere Ruhe und Ausgeglichenheit, verbesserte Durchblutung, mehr Vitalität, bessere Beweglichkeit, eine verbesserte Atmung und allgemein größeres körperliches Wohlbefinden, sowie die langsame Stärkung von Muskulatur und Immunsytem sind die Belohnung, auf die sich ein fleißiger Qi-Gong -Schüler freuen darf.
In meinen Kursen unterrichte ich die 8 Brokatübungen Baduan Jin (baduan=8, Brokatübungen deshalb, weil sie so kostbar sind, wie Brokatstoff im alten China), die eine heilsame und regenerierende Wirkung auf den gesamten Körper, aber auch auf die Psyche haben und auch als Einstieg sowohl zur körperlichen als auch zur mentalen Schulung gut geeignet sind.
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